
Liebe Angst,
seit meinem letzten Brief an dich ist viel Zeit vergangen.
Oft kann ich mich nicht dazu überwinden, mich dir zu stellen. In diesen Momenten möchte ich immer noch gerne vergessen, dass du existierst. Denn denke ich an dich, denke ich an schlaflose Nächte, Nebel im Kopf, panische Flucht, Rückzug in den Bettdeckenkokon.
Du hast so eine ganz eigene Art, mich daran zu erinnern, dass du noch da bist. Stupst mich an, wenn ich mich mal zu gut fühle. Lässt deine Worst Case Szenario Filme in meinem Kopf laufen. Nur für mich.
Ja, du bist noch da. Und du wirst immer da sein. Ich weiß das jetzt.
Aber etwas hat sich verändert. Jetzt, wenn du mich an deine Existenz erinnerst, lächele ich müde und nehme dich hin. Ich werde nicht mehr wütend, so wie damals. Ich versuche nicht mehr, dich an deinen Wurzeln aus meinem Kopf zu reißen, so wie damals.
Viel hat sich verändert.
Ich weiß, du bist da. Und du wirst immer da sein.
Du bist meine besorgte Beifahrerin, die immer auf die Katastrophe wartet.
Doch ich sitze am Steuer und halte das Lenkrad in der Hand.
Du bist mein inneres Kind, das stets angespannt, stets zusammengekauert, stets nervös die Unsicherheit der Welt wahrnahm und darauf wartete, dass die angeknacksten Wände noch weiter in sich zusammenfallen.
Doch ich halte sie.
Liebe Angst, irgendwann finden wir unseren Rhythmus, und bis dahin stups mich doch am besten noch mal kurz an, damit ich dir dann sagen kann: Das vor uns, das ist nur ein kleines Schlagloch. Keine Sorge. Es wird ein bisschen rütteln. Aber gleich ist es vorbei und dann lassen wir das Hindernis hinter uns, auf dem Weg zur Zukunft.
Dieser Text entstand im Rahmen meiner Schreibchallenge: Schreiben gegen die Angst auf Instagram. Das Thema war: Briefe an die Angst.
Was würdest du deiner Angst sagen? Schreib es gerne in die Kommentare!









